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Die noch junge Konzertsaison in der Coswiger Villa Teresa wartete an diesem vorfrühlingshaften Nachmittag mit einem ungewöhnlichen Programm auf: Kammermusik, in der Bläser eine dominierende Rolle spielen, erlebt man selten genug. Das Freie Ensemble Dresden – diesmal der Cellist Daniel Thiele, der Pianist Camillo Radicke sowie die Bläser Mareike Thrun (Flöte) und Daniel Bäz (Fagott) – nahm sich der seltenen Spezies mit ungebremster Entdeckerfreude und vor allem ausgezeichnetem, kammermusikalischem Können an. Alle vier Musiker einten technische Brillanz und gestalterischer Feinsinn. Man passte einfach bestens zusammen. Hauptwerk war das Grand Quatour Concertante Es-Dur op. 104 des Beethoven-Freundes Anton Reicha. Selbiger erregte zu seiner Zeit in Paris Aufsehen mit damals neuartigen Kompositionen für Bläserensembles. Er hinterließ u.a. nicht weniger als 28 Bläserquintette. Hier nun erklang ein Quartett, fein in seinen Kontrasten abgestimmt mit viel Raum für Spielfreude und individuelle Größe. Das Ensemble nutzte die ihm eingeräumten Möglichkeiten weidlich und mit Begeisterung. Und so freute man sich an einer wunderbar geschlossenen Wiedergabe, die einem durch und durch musikantischen Geist entsprang, höchst lebendig war und ihre besonderen i-Tüpfelchen durch Sorgfalt und Qualität im instrumentalen Detail erhielt. Kein Wunder also, dass es am Schluss dieses hübschen, gefälligen Werkes Bravos „regnete“! Im ersten Konzertteil kamen im Wesentlichen diverse, französisch bzw. südländisch angehauchte Miniaturen zu Gehör. Aus der Trias der letzten Bläsersonaten von Camille Saint-Saëns op.168 wählte das Ensemble die für Fagott und Klavier aus. Sensibel und überaus klangschön leuchteten Daniel Bäz und Camillo Radicke deren aparte Farbigkeit, die spätromantische Harmonik aus und rückten auch die virtuose Pracht des Mittelsatzes – technisch absolut bravourös – ins rechte Licht. Dem stand die Interpretation von George Enescus Cantabile et Presto aus dem Jahre 1904 für Flöte und Klavier in nichts nach. Elegant und mit schöner, geschmeidiger Tongebung gingen Mareike Thrun und Camillo Radicke dieses unterhaltsame Stück an. Als Gebrauchsmusik im besten Sinne kann auch Astor Piazollas 1984 für einen Film entstandenes Stück „Oblivion“ bezeichnet werden, das hier in einer eigenen Fassung für Flöte, Cello und Klavier aufgeführt wurde. Mit sicherer Hand und kultiviertem Geschmack fanden die Musiker das richtige interpretatorische Maß, um dieses melancholische, gefühlsintensive Stück nicht in elegische Schmachterei abgleiten zu lassen. Mozarts B-Dur-Sonate für Fagott und Cello KV 292 stellte den heiteren Anfang dieses Nachmittags dar. Leicht und mit hörbaren Vergnügen versenkten sich Daniel Bäz und Daniel Thiele hinein, mit besonderem Gespür für den Partner und die gesangliche Schönheit des Stücks.
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