Kritik löschen

Löschvorgang bestätigen

 
Datum: 15.04.2012
Kritiker: Hartmut Schütz DNN
Kritiktitel: "Beau Soir" mit Debussy
Kritik: Konzert in der Villa Teresa, seit zehn Jahren Kulturort

Bevor Claude Debussy an diesem Abend zum 150. Geburtstag ausführlich gewürdigt wurde, kam der Jubilar seinerseits mit einer Verbeugung vor Joseph Haydn zu Wort: Ein rundes Datum kann der mit dem 280. Geburtstag in diesem Jahr zwar nicht vorweisen, doch was den Humor in der Musik anbelangt, erwies sich Debussy dem älteren Kollegen im Klavierstück "Hommage à Joseph Haydn" als durchaus verwandt. Pianist Camillo Radicke unterschied zu Beginn des Kammerkonzerts in der Coswiger Villa Teresa (die dieser Tage ihr zehnjähriges Jubiläum feierte) am Freitag stark zwischen der sentimentalen Sicht auf den frühen Romantiker, die sich in der Musik spiegelte und dem Witz im lebhaft Verspielten des Mittelteils. So hatte Debussy Haydn zum 100. Todestag gesehen und ganz richtig verstanden, wie sich gleich im Anschluss bei Haydns Klaviertrio C-Dur zeigen sollte. Dieses Stück vom "Urheber" der Gattung bildete im Programm des "Freien Ensembles Dresden" gleichsam den Gegenpol zu Debussys Klaviertrio G-Dur.
Dem vergnüglichen Ton bei Haydn gaben sich Birgit Jahn (Violine), Daniel Thiele (Violoncello) und Camillo Radicke ausführlich hin, fanden aber weit mehr als angenehme Unterhaltung im steten Wechsel mit dem immer wieder durchdringendem Ernst. Von der kraftvollen Bewegung, vom Auskosten der vielen Details im Finalsatz lebten die Ecksätze, dazwischen stand als Gegenentwurf zu Debussys Blick auf die ernste Seite von Meister Haydn ein zwar tiefgründig aufgefasster, aber nie sentimentaler oder schwärmerischer langsamer Satz.
Zum Schwelgen blieb danach in einigen von Debussys kleineren Werken genug Raum. Hier kam der illustrative, "impressionistische" Tonfall des Franzosen zum Tragen: In der Klarheit ihres Spiels bestechend gestaltete Birgit Jahn jede Feinheit der "Arabesken" und von "Clair de lune". Zwar war sie sich im Verzicht auf Süßliches mit Camillo Radicke einig, doch etwas Nonchalance hätte dem Violinpart gut getan. Größer in der Geste und in den Bewegungen gestaltete Daniel Thiele im dichten Zusammenspiel mit dem Pianisten Reviere F-Dur und Scherzo D-Dur - hier mit einem wunderbaren Blick für Kurioses und federnde Rhythmik - und machte schließlich die Bearbeitung von "Beau Soir" einfühlsam zum Thema des ganzen Abends.
Das vergleichsweise frühe Klaviertrio G-Dur brachte als Schluss des Abends die spätromantischen Wurzeln Claude Debussys zurück, zugleich fanden die Musiker darin eine Verwandtschaft zu Haydn: Einerseits war da romantischer Überschwang im mit energischer Bewegtheit gespielten ersten Satz, aber daneben entfalteten sich im Scherzo vergleichbare Momente im Zuwerfen der Motive oder in den intensiven Dialogen. Und in der Freude am Verspielten des Finales unterstrichen die Musiker nochmals das eigene Vergnügen am klaren und sensiblen, aber auch raumgreifend klangvollen Vortrag.
 
 
 
Kritikenübersicht | Administrationsbereich | Homepage