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Datum: 04.04.2011
Kritiker: M. Hanns DNN
Kritiktitel: Ein schillerndes Intervall
Kritik: Klarinettentrios in der Villa Teresa
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Es gab mehrere Gründe, diesen späten Nachmittag im gediegenen Ambiente der Coswiger Villa Teresa zu verbringen: das Eröffnungskonzert der diesjährigen Musik- und Theatertage (das exquisite Kammermusik versprach), der in frischen Frühlingsfarben prangende, wieder wunderschön angelegte Park des Anwesens und nicht zuletzt eine Uraufführung für Klarinettentrio von Rainer Lischka. Das viertelstündige Werk trägt den Titel "Tritonus", was ein aus drei Ganztönen bestehendes Intervall - entweder als übermäßige Quarte oder als verminderte Quinte - bedeutet und das in der Musikgeschichte eine wichtige Rolle spielt. Der Komponist höchstselbst steuerte mehrere Beispiele der musikalischen Merkwürdigkeit bei. Vom "Barrabas"-Schrei in Bachs Matthäus-Passion bis zum Blues - überall ist das "schillernde Intervall" anzutreffen, genauso wie es die kompositorische Substanz des hier uraufgeführten Klarinettentrios speist. Lischka hielt sich in seinem Werk nicht lange bei der Theorie auf. Vital und kontrastreich erscheinen die Episoden des Stücks, Frische und Lebensfreude pur, die den Hörer regelrecht anspringen und mitreißen. Das hatte alles Geist und Charme. Da gab es einen unverkennbaren Einfluss des Blues, feinsinnige, klug und effektvoll geschaffene Strukturen, in denen sich der Klarinettist Fabian Dirr, der Cellist Daniel Thiele und der Pianist Christoph Berner mit musikantischem Elan, Verve und technischer Perfektion tummelten. Der Wunsch Rainer Lischkas, man solle den Eindruck eines sehr musizierfreudigen Improvisierens haben, ging in Erfüllung, wie der einhellige Jubel des Publikums bewies.
Die Klammer um die Uraufführung bildeten zwei Klarinettentrios, die im Abstand von ungefähr zwanzig Jahren um die Wende zum 20. Jahrhundert entstanden, in Geist und Melos aber ganz gewiss tief in der Hochromantik verwurzelt sind. Der konservative Max Bruch schrieb seine acht Stücke op. 83 1910 in Berlin. Große gesangliche Linien, üppigste Harmonik, die Aufzeichnung von Stimmungen unterschiedlichster Art geben den Miniaturen ihr Gepräge. Das Trio Dirr, Thiele und Berner erwies sich als kompetenter Sachwalter dieses umfangreichen Opus, sehr auf den Ausgleich zwischen emotionaler Dichte und Überschwang bedacht, farbenreich und lebendig musizierend. Die Herren hörten sehr genau aufeinander, gaben sich die jeweils notwendigen Impulse und präsentierten sich technisch und ausdrucksmäßig ohnehin als Einheit auf höchstem Niveau.
Der andere Komponist Vincent d'Indy entstammte einem vom Militär geprägten, französischen Adelsgeschlecht. In seiner kompositorischen Laufbahn erhielt er den entscheidenden Einfluss von César Franck, was man auch seinem 1888 entstandenen Trio op. 29 deutlich anmerkt - ein liebenswürdiges, abwechslungsreiches Stück für Musiker mit Temperament und sensiblem Sinn für ein Übermaß an Klangfarben. Und dies kam Fabian Dirr, Daniel Thiele und Christoph Berner gerade recht. Wieder verstanden sie es in schönster Harmonie genau, Balance zu halten, treffsicher zu charakterisieren. Das quirlige Divertissement wurde mit einem Höchstmaß an Delikatesse musiziert, die elegische Weitschweifigkeit der Chaconne genussvoll ausgekostet - es war einfach schön.
 
 
 
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