| Kritik: | | Bad Schandau. Der 20. Abend der diesjährigen
Reihe von „Sandstein & Musik“ wurde im Hotel
„Elbresidenz“ vom Freien Ensemble Dresden
gestaltet
Das Hotel hat fünf Sterne – die Darbietung des Dresdner Ensembles war nicht weit oder gar nicht davon entfernt. Ein Klaviertrio war in den Canaletto-Saal gekommen: Birgit Jahn, Violine (Staatskapelle Dresden), Daniel Thiele Violoncello (Dresdner Philharmonie) und der bekannte Pianist Camillo Radicke. Im ausverkauften Saal war ein Konzert ersten Ranges zu erleben, starke Eindrücke hinterlassend.
Die Künstler betraten lebendig und fesselnd das Terrain mit Beethovens Trio c-Moll, opus 1, Nr. 3. Das Werk ist 1808 entstanden, was etwas in die Irre führt, wenn man von opus 1 spricht. Hier hatte sich Beethoven schon zu einer lapidaren, kämpferischen Sprache durchgerungen. Wir finden in den Ecksätzen ausgereifte Züge seines Stils. Im ersten Satz (stellenweise auf Haydn zurückgreifend) hat das Klavier Wichtiges zu sagen. Das nutzte der Pianist deutlich, ohne dabei die Homogenität des Trios zu beschädigen. So konnte sich die Klangschönheit der beiden Streicher voll entfalten. Erst recht in der innigen Versunkenheit des Andante, wo sich die Gleichheit der Empfindungen trefflich zeigte. Solche kammermusikalische Delikatesse basiert auf dem Wissen um das Gewicht jeder der drei Stimmen und der Koordinierung der einzelnen Beiträge. Dies war auch im auf die Erde geholten Menuett so, wo die von Radicke gezauberten perlenden Passagen besonders auffielen. Ein markantes Finale verlieh nochmalige Spannung.
Franz Schuberts herrliches Notturno wurde zwanzig Jahre später geschrieben und ist aus einer anderen Welt. Die schwärmerische Liedhaftigkeit hatte nicht die Spur von Sentimenalität. Geschmack bestimmte die Interpretation auf dem Wege zur Aufwallung, bevor eine scheinbar unentschlossene Akkordfolge zur „Erlösung“ führt. Beglückt ging man in die Pause.
Antonín Dvoráks Klaviertrio führte sogleich in die böhmische Urwüchsigkeit voller Lebensfreude, zu der sich eindeutig die Spielfreude der Interpreten gesellte, bis hin zur überschäumenden Kraft. Tief bewegend, nahezu düster waren die Erscheinungen von Schicksal und Schmerz gestaltet, auch von erhabener Größe, was bekanntlich nicht allein Sache der Lautstärke ist, sondern von der Intensität der übermittelten Emotionen abhängt. Das gelang vorzüglich und wurde kontrastiert von der freundlichen Gefälligkeit (3.Satz) und von der Impulsivität des Finales.
Große Begeisterung. |