| Kritik: | | Freies Ensemble Dresden im Kammerkonzert
...
Begonnen hatte das Freie Ensemble Dresden mit einem der beiden Klavierquartette von W. A. Mozart. Gerade in der Kammermusik zeigt sich, dass es einen „typischen“ Mozart nicht gibt; im Es-Dur-Quartett überraschen immer wieder harmonisch kühne Wendungen, dazu ein lichter Finalsatz, der eher an Haydn gemahnt. Was die vier Musiker Gaetano d'Espinosa (Violine), Christina Biwank (Viola), Daniel Thiele (Cello) und Christoph Berner (Klavier) auszeichnete, war ein überlegter Zugang zu allen Werken. Außerdem war eine gemeinsame Musizierhaltung zu bemerken, kein Primarius sticht hervor, sondern die Partituren stehen im Vordergrund des Interesses.
Mozarts Quartett wurde eine reine Demonstration von Entspannung, alle Abschnitte des Werkes wurden aus der Ruhe gezeichnet, ein kultivierter, ausgehörter Klang herrschte vor. Das Quartett harmoniert so gut miteinander, dass exaltierte Grenzübertritte gar nicht notwendig sind, sondern sich aus dem Miteinander eher eine zwingende Gestaltung formt, die die Linie und den Fortgang der Musik betont. Dadurch wurde etwa der langsame Mozart-Satz zu einem Schmuckstück. Christoph Berner fügt sich hier in die Klangwelt der Streicher optimal ein und präsentiert ebenfalls einen leicht perlenden Mozart-Klang, der im Kronensaal im Schloss Albrechtsberg gut trägt.
An zweiter Stelle stand das Klavierquartett-Fragment von Gustav Mahler, ein ebenfalls orchestral wirkendes Werk, in welchem das Freie Ensemble Dresden die Dramaturgie vom Anfang bis zum Ende plastisch darstellte. Zu einem packenden Ereignis geriet die Entscheidung, Mahlers Skizze des 2. Satzes in der Bearbeitung durch Alfred Schnittke folgen zu lassen. Schnittke seziert die wenigen Takte Mahlers und formt einen eigenen, heftigen Kommentar daraus, der in vollgriffigen Klavierclustern und einem klangmalerischen Aufschrei des ganzen Ensembles kulminiert – aber genau diese Ausdrucksstärke und Übertreibung findet auch in Mahlers Scherzi Raum zur Entfaltung; insofern komponiert Schnittke nur konsequent. Nach den überschwänglichen Gesten erklang das Mahler-Fragment original und verschwand sogleich – vor allem durch die starken dynamischen Kontraste der vier Musiker gelang die Interpretation vorzüglich.
Die kluge Formung einer Partitur bei beherztem Zugriff der Streicher setzte sich auch in der Brahms-Interpretation fort. Da hier nirgends „die Pferde durchgingen“, was bei drängender Faktur der Brahms´schen Kammermusik oft allzu verständlich wäre, konnte der Zuhörer alle vier Sätze optimal durchdringen. Überzeugend baute sich das Scherzo bis zum Schluss-Triller auf, der langsame Satz wurde zu einem gesanglichen Ereignis mit einem wunderbaren Cello-Solo, und das Finale war mit all seinen Abbrüchen und Anläufen als überaus leidenschaftliche Szene dargestellt.
|