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Datum: 17.12.2006
Kritiker: Klaus Trapp, Darmstadt
Kritiktitel: Mit Schwung und Witz
Kritik: Die in Darmstadt ansässige Wilhelm-Petersen-Gesellschaft hatte für ihr alljährliches Konzert diesmal das "Freie Ensemble Dresden" in die Darmstädter Akademie für Tonkunst eingeladen. Natürlich standen Werke Wilhelm Petersens, der 1890 in Athen geboren wurde und wichtige Lebensjahre in Darmstadt verbrachte, im Mittelpunkt. Das in Streichquartett-Besetzung auftretende Ensemble spielte Petersens Quartette Nr. 2 und 3 und überraschte dabei durch die Intensität und Klarheit eines Musizierens, das den schwierigen Werken auf den Grund ging.

Eva Lüdenbach und Gaetano d'Espinosa, die im Wechsel erste und zweite Geige spielen, die Bratscherin Kerstin Beavers und der Cellist Daniel Thiele hatten sich so in Petersens Musik vertieft, dass ihnen mitreißende Wiedergaben der beiden Werke gelangen, was einer Ehrenrettung des nur selten aufgeführten Meisters gleichkam. Das 1923 entstandene zweite Streichquartett op. 10 offenbarte dabei eine Kühnheit und Leidenschaft, die es stilistisch durchaus in die Nähe der Neutöner Schönberg und Berg rückte, auch wenn Petersen die Grenze zur Atonalität niemals überschritt. Anders das Quartett Nr. 3 e-Moll op. 49 aus den Jahren 1947/48. Hier wurde die Nöhe zur Barockmusik deutlich, wenn motorische Themen und Kanontechniken die raschen Sätze bestimmen, im Adagio sich eine Aria nach alter Manier entfaltet und im Finale eine Doppelfuge aufgebaut wird.

Begonnen hatte das Konzert mit dem Streichquartett Nr. 1 C-Dur op. 49 des vor 100 Jahren geborenen Schostakowitsch. Die vier jungen Musiker, die den großen Dresdener Orchestern angehören, boten das Werk mit Schwung und Witzals ein Zeugnis der dreißiger Jahre, während denen der Komponist noch relativ unbeschwert arbeiten konnte, bevor das Stalin-Regime ihn anprangerte. Neben schönen Stellen finden sich immer wieder ironische Streiflichter, die Schostakowitsch so unnachahmlich beherrscht. Das Ensemble spielte diese Kontraste genüsslich aus. Zu Beginn des zweiten Teils boten die Dresdner Mozarts 1. Streichquartett G-Dur (KV 80) - Geniestreich eines Vierzehnjährigen. Tänzerisch beschwingt und klanglich ausbalanciert stellte das Ensemble das Werk vor, und Gaetano d'Espinosa tat das Seine, um mittels eingestreuter Verzierungen diese Wiedergabe zum Hörvergnügen zu machen. Am Ende des Abends, nach begeistertem Beifall, wurde das Menuett aus dem Mozart-Quartett wiederholt.
 
 
 
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